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"Mehr kann man für die berufliche Qualifikation nicht tun"

15.10.13
Trainerschule
Die Absolventen des Jahrgangs 2013 sehen sich dank Trainerakademie für den beruflichen Alltag im deutschen Leistungssport bestens gerüstet. Auch die DSV-Trainer Andreas Ertl (Alpin) und Frank Nitsch (Nordisch) haben ihr Diplomtrainerzeugnis erhalten und mit der Gesamtnote 1,4 gemeinsam mit einem weiteren Absolventen als Lehrgangsbeste die Auszeichnung des Landes Nordrhein-Westfalen erhalten.

 

Trainerakademie, Verabschiedung Jahrgang 2013
Trainer-Misere? Sorgen um den Trainer-Nachwuchs und um die Situation jener, die neben den Sportlern zu den wichtigsten Akteuren im deutschen Spitzensportsystem zählen? Nicht an diesem Oktobertag in Köln, als 27 frühere Athleten aus fast zwei Dutzend olympischen Sommer- und Wintersportarten an der Trainerakademie (TA) des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) ihre Urkunden als "staatlich geprüfte Trainer" erhalten.

DSV-Trainer gehören zu den Jahrgangsbesten
Unter den Absolventen des Jahrgangs 2013 an der Trainerakademie des Deutschen Olympischen Sportbundes waren auch vier Trainer des Deutschen Skiverbandes, darunter Andreas Ertl und Frank Nitsch, die mit der Gesamtnote 1,4 zu den Jahrgangsbesten gehörten sowie der ehemalige Weltklasse-Langläufer Rene Sommerfeldt (Gesamtnote 1,5), der mit zwei Olympiamedaillen und zwei Vizeweltmeistertiteln seine größten sportlichen Erfolge feierte.

Froh, fröhlich, erleichtert und für die kommenden Herausforderungen im beruflichen Alltag gerüstet und motiviert, so erschienen die Absolventen des Kurses mit der offiziellen Bezeichnung "DTS 2-17" noch einmal gemeinsam zur offiziellen Diplomübergabe und feierten anschließend gebührend, was sie sich im Rahmen der dreijährigen Ausbildung an der TA erarbeitet haben. "Umfangreiches Wissen erwerben und dabei über die eigene Sportart hinausschauen, das kann doch nie schaden", berichteten die Radsport-Trainer Eyk Pokorny und Michael Gaumlitz. Dem 43-jährigen früheren Weltklasse-Sprinter Pokorny, der 1991 mit WM-Gold dekoriert wurde und mittlerweile als Coach am Olympiastützpunkt Brandenburg mit Maximilian Levy den Olympia-Zweiten von London in der Disziplin Keirin unter seinen Fittichen hat, stand die Freude ins Gesicht geschrieben wie seinem vier Jahre jüngeren Kollegen, der als Landestrainer in Cottbus mit dem Nachwuchs befasst ist. "Es ist die Elite des deutschen Sports, die hier ausgebildet wird. Und es ist der höchste Trainerabschluss im deutschen Sport. Mehr kann man für die berufliche Qualifikation nicht tun", betonten beide unisono. "Langfristig eröffnet das den Absolventen von heute bestimmt berufliche Möglichkeiten, die man jetzt vielleicht noch gar nicht so sieht."

Markante Sätze, wie sie vermutlich von jedem der frisch gebackenen Diplom-Trainer des aktuellen Jahrgangs sofort unterschrieben würden. Auch Katrin Rutschow-Stomporowski gehört dazu, die 2000 bei den Sommerspielen in Sydney im deutschen Frauen-Vierer und 2004 in Athen im Einer zu Olympiasiegen ruderte und sich schon damals eine Trainerlaufbahn durchaus vorstellen konnte. Erste praktische Erfahrungen in diesem Metier sammelte sie beim See-Club in Zürich, ehe sie 2007 in Potsdam Assistentin der früheren Bundestrainerin Jutta Lau wurde, vor zwei Jahren ein Studium für Mode-Design beendete und trotzdem ihrem Sport stets die Treue hielt. "Ich komme vom Rudern eben nicht los", so die 38-Jährige, die sich nunmehr als Trainern beim sächsischen Ruderverband um die B-Juniorinnen kümmert. Neben ihr auf dem Flur der 1974 gegründeten Trainerakademie steht in der Uniform eines Oberfeldwebels Marcus Abramowski, der seine Laufbahn als Boxer 2009 wegen einer schweren Schulterverletzung beenden musste und mittlerweile am Bundesstützpunkt in Berlin für insgesamt neun Bundeskader mitverantwortlich ist. "Für die Trainerausbildung in Deutschland ist die Trainerakademie das Maximum. Das ist ein Fundament, das mir in meinem Beruf nun viel mehr Sicherheit gibt", erklärt der 27-Jährige und fügt hinzu. "Das habe ich auch unseren Nachfolgern gesagt, die gerade ihr Studium hier aufgenommen haben. Wer wirklich will, der kann aus diesen drei Jahren unglaublich viel mitnehmen. Etwas Besseres haben wir nicht in Deutschland."

Stimmiges Konzept der Kölner TA mit vier prägenden Merkmalen

Für Direktor Professor Dr. Lutz Nordmann, seine TA-Mitarbeiter in Köln und die gut rund 200 Experten aus dem Referenten-Pool könnten Feedback und Resonanz von Seiten der Studenten nicht besser sein, gerade auch im Vorfeld des 40. Geburtstages dieser Einrichtung im kommenden Jahr. Es sieht ganz danach aus, als würde das aktuelle Studien-Konzept den Herausforderungen im beruflichen Alltag der Gegenwart bestens gerecht. Dafür spricht ebenso, dass auf die pro Jahrgang zur Verfügung stehenden maximal 30 Plätze durchschnittlich mindestens 60 Bewerbungen eingehen. Darunter zunehmend von prominenten und erfolgreichen Athleten, wofür vom jüngst immatrikulierten Kurs unter anderem Karl Angerer aus dem Bobsport oder Ralf Bartels und André Höhne aus der Leichtathletik stehen können. Vier Elemente sind es vor allem, welche in ihrem Zusammenspiel und gegenseitiger Ergänzung und Wechselwirkung das in sich stimmige, erfolgreiche und viel gelobte Ausbildungskonzept ausmachen und für das Profil der TA prägend sind. Wesentlich ist, dass es sich bei der TA-Ausbildung nicht um ein Direktstudium wie an einer Universität handelt, sondern um eine berufsintegrierte Ausbildung. Das heißt, die Kommilitonen eines Jahrgangs sind zuhause in Vereinen, Landes- und Spitzenverbänden oder an Olympiastützpunkten bereits als hauptberuflicher Trainer beschäftigt. Diese Trainertätigkeit gehört als elementarer Bestandteil zur TA-Ausbildung, doch jeden Monat müssen die Studenten die ihnen anvertrauten Schützlinge für eine Woche allein lassen, um Trainingshalle und Arena mit Seminarraum und Hörsaal an der TA in Köln zu vertauschen.

Ein weiteres auffälliges äußeres Merkmal neben diesen Präsenzwochen der immense, im internationalen Maßstab seinesgleichen suchende Umfang der Ausbildung. In den drei Jahren des Studiums stehen insgesamt 1.300 Lerneinheiten zu je 45 Minuten auf dem Programm. Verglichen mit ähnlichen Modellen etwa in der Schweiz mit 880 Lerneinheiten binnen 36 Monaten oder in Kanada mit 600 Einheiten in 24 Monaten handelt es sich beim TA-Modell Köln um eine geradezu exorbitante Stundenzahl, die - dies das dritte wichtige Merkmal - ein klar strukturiertes Muster aufweist. Die Hälfte des Umfangs ist der so genannten Grundlagenausbildung mit Unterrichtsstoff aus Trainings- und Bewegungs-Lehre, Biomechanik, Sport-Biologie und -Medizin, Psychologie, Pädagogik und Soziologie vorbehalten. Auf diese Weise werden sämtliche Studenten, egal wie lange und wo sie bereits in die Trainerpraxis hineingeschnuppert haben und als Trainer im Nachwuchsbereich oder mit Top-Athleten "praktizieren", in Sachen Fach- und Sachwissen auf einen gleichen Level zusammengeführt. Ein Niveau, das den Ausgangspunkt für die anschließende Spezialisierung und Sportarten spezifische Ausbildung darstellt, die mit insgesamt mit 720 Einheiten veranschlagt wird und über weite Strecken nicht in Einzelsportarten zerfasert, sondern in Gruppen abgehalten wird und auf möglichst viele Synergieeffekte angelegt ist. Aufgefächert wird der Kurs etwa nach speziellen Gemeinsamkeiten wie in den Sportartgruppen "Kraft" oder "Beinarbeit" mit besonderem Fokus auf Gemeinsamkeiten etwa im Fechten, Badminton, Tischtennis oder Squash. Übergreifende Lehrinhalte sind zudem in der Gruppe der Spielsportarten nahe liegend. Schließlich gehören zahlreiche Hospitationen und Praktika zum Studium sowie die abschließende Studienarbeit.

Sämtlich Elemente, die ohne die vierte tragende Säule innerhalb des TA-Studiums nicht zu gewährleisten wären. Es handelt sich dabei um die so genannten Koordinatoren, also Mitarbeiter aus den einzelnen Spitzenverbänden, die für die jeweiligen Studenten aus ihrem Fachverband einerseits als Mentor in den ganz praktisch und praxisnah angelegten Teilen des Studiums wirken und zugleich ein wichtiges Scharnier zwischen TA und den Fachverbänden verkörpern. "Die sportspezifische Ausbildung im Rahmen dieses Studienganges wäre ohne den Part der Verbände nicht zu stemmen. Die wenigsten von ihnen haben ja so etwas wie hauptamtliche Lehrkräfte. Deswegen sind die Koordinatoren genau so wichtig wie geeignete Kandidaten aus den Reihen der Athleten", unterstreicht Dr. Peter Müller, seit 1997 in Personalunion Diagnosetrainer beim Bund Deutscher Radfahrer und Koordinator seines Verbandes. Bestens weiß der 57-Jährige, dass sich die Rolle eines Koordinators längst nicht mehr auf die unmittelbare Betreuung "seines Studenten" inklusive des dabei möglichen Wissenstransfers von Alt zu Jung beschränkt. Inzwischen haben die Spezies von derzeit insgesamt 52 Koordinatoren in Kooperation mit den Sportdirektoren in ihren jeweiligen Spitzenverbänden schon mehr oder weniger den Part des Personalmanagers inne. Das Organigramm überschauen, wissen, wo Trainer gebraucht, entwickelt, sukzessive herangebildet werden und Planstellen innerhalb der Alterspyramide neu oder anderes besetzt werden müssen, das gehört für die Koordinatoren längst zum Alltag wie erfolgreiche Athleten für den Trainerberuf zu begeistern, berufliche Perspektiven aufzuzeigen, für ein Studium an der Trainer-Akademie zu gewinnen und ihnen dabei sachlich-fachlich partnerschaftlich an der Seite zu stehen. Kein Wunder und nur allzu gerechtfertigt darum, dass bei der jüngsten Diplomverleihung nicht nur die Absolventen auf der Bühne standen, sondern die große Stunde gemeinsam mit ihren Betreuern aus den Verbänden erlebten.

Ab 2014 weiterführendes Master-Studium in Leeds möglich
"Den Koordinatoren gebührt ein besonderes Dankeschön", so Peter Frese, der Präsident des Deutschen Judo-Bundes, in seinem Grußwort als offizieller DOSB-Vertreter bei der Diplomübergabe. Nach der feierlichen Zeremonie und anschließender Party forderte der Alltag seinen Tribut. Gerade noch eine verschworene Studenten- und Absolvententruppe, stob man am nächsten Tag in alle Himmelsrichtungen auseinander. Der frühere Weltklasse-Skilangläufer René Sommerfeldt, im Sommer überraschend zum Cheftechniker bei den Nordischen Skisportlern berufen, reiste nach Südtirol zum Gletschertraining der Nationalmannschaft. Eyk Pokorny brach ins nahe Apeldoorn nach Holland zu den Europameisterschaften der Bahnradsportler auf. Katrin Rutschow-Stomporowski, Marcus Abramowski und Michael Gaumlitz fuhren nach Hause zu ihren Trainingsgruppen in Dresden, Berlin und Cottbus. "Wir werden euch auf euren weiteren Wegen im Auge behalten", rief TA-Direktor Prof. Lutz Nordmann den Absolventen zum Abschied zu. Dabei hoffte er insgeheim, dass ich manch einer von ihnen mit einem Novum anfreunden kann, das ab dem kommenden Jahr das TA-Angebot bereichern wird. In Abstimmung mit der Universität im englischen Leeds wird es für TA-Abgänger dann möglich sein, auf der Insel ein Master-Studium dranzuhängen und den akademischen Titel eines "Master of Science" zu erringen. Dieselbe Möglichkeit wird en TA-Absolventen von der Universität im australischen Queensland eingeräumt.

Rund 20 Absolventen sollen diese Möglichkeiten schon ins Auge gefasst haben. "Das ist dann ein in ganz Europa anerkanntes Zertifikat", berichtet Prof. Lutz Nordmann von dem großen Vorzug der Neuerung. Er verhehlt jedoch nicht, dass es "sicherlich nur die zweitbeste Möglichkeit ist, ein solches Prädikat im Ausland zu erwerben". Weit lieber wäre ihm, das TA-Diplom würde in Deutschland endlich offiziell mit einem Bachelor-Abschluss gleichgesetzt und ein weiterführendes Master-Studium zum Trainer hierzulande ebenfalls irgendwann möglich. So gut sich die jüngsten Absolventen nach ihrem Studium für den beruflichen Alltag im deutschen Leistungssport gerüstet sehen und so einhellig ihr Lob für die TA ausfällt, Ziele, Wünsche und Baustellen bei den "Trainermachern" an der Kölner Akademie scheint es im 40.Jahr ihres Bestehens noch genügend zu geben.
2013-10-18
Stand: 01.04.2020
Kontakt
Daniel Mayer
Trainerschule
Projektleiter Berufstrainerausbildung/Referent Trainerschule
Tel.: 089-85790 209